Road to Hana

Auf der Road to Hana (aka Highway to Heaven)

Eine Pflichtveranstaltung für den gemeinen Touristen, der zum ersten Mal Maui besucht, stellt sicher die „Road to Hana“ dar. So wird die Straße bezeichnet, die an der Nord- und Ostküste Mauis entlangführt und damit Kahului mit Hana verbindet. Die auch als „Hana Highway“ bezeichnete Küstenstraße ist zwar nur etwa 51 Meilen (ca. 84 km) lang, windet sich jedoch um unzählige Kurven und führt über mehr als 50 teilweise 100 Jahre alte Brücken, die nur einspurig befahrbar sind. Der Straßenverlauf bedingt ein eher gemächliches Vorankommen. Dass der Highway von Touristen hoch frequentiert wird, erhöht die benötigte Fahrzeit weiter und letztendlich sind es die zahlreichen Zwischenstopps, die eine Fahrt auf dem Hana-Highway zu einem tagesfüllenden Programm werden lassen.

Tatsächlich wird in zahlreichen Reiseführern und auf Internetseiten empfohlen, dass man die Road to Hana auch für zwei Tage einplanen sollte. Und ich kann bestätigen, dass man nur so wirklich alle vorgeschlagenen „Attraktionen“ wahrnehmen kann. Wir haben uns jedoch (wie vermutlich die meisten) für die 1-Tages-Variante entschieden und sorgsam ausgewählt, was wir uns ansehen wollen und was nicht. Letztendlich ist die Küstenstraße ansich mit ihren zahlreichen viewpoints, die an die alte 70er-Jahre TV-Show „Fantasy Island“ erinnern, schon Attraktion genug. Morgens früh ging es daher mit dem Mietwagen von unserem Hauptquartier, einem touristischen, aber schönen Condo direkt am Meer in Kihei los in Richtung Kahului. Von dort aus führte  uns der State Highway 36 dann Richtung Osten.

Der Hana Highway beginnt… sagen wir unspektakulär. So beginnt die ernstzunehmende malerische Strecke eigentlich erst am dem kleinen knapp 3000-Seelen-Örtchen Paia, welchen acht Meilen östlich von Kahului liegt. Dieser Ort hat sich spürbar auf die Road-to-Hana-Touristen eingestellt. Hier können vorkonfektionierte Proviant-Pakete ebenso erworben werden, wie Audio-CDs, die einen mit hawaiianischen Klängen und auf diversen Sprachen wertvolle Tipps zu den Sehenswürdigkeiten der Road geben. Selbstgesteuert wie wir gern sind, haben wir von dem Erwerb einer CD Abstand genommen. Und auch die App-Alternative fand keinen Weg auf unsere Smartphones. Paia selbst ist mit zahlreichen Restaurants, Gallerien, Surf- und Souvenir-Shops ein gar nicht so hässliches Örtchen, welches mit den bunten Fassaden der Holzhäuschen an der Straße einen sympathischen Eindruck macht. Road-to-Hana-Reisenden sei gesagt, in Paia gibt es die letzte Tankstelle vor Hana. Ein Blick auf die Tanknadel lohnt sich also.

Hinter Paia ging es also wirklich los. Wir kämpften uns die tropische Straße entlang, nur um immerwieder anzuhalten für ein Foto auf die grüne Küste und das türkisfarbene Meer oder um eine kleine Wanderung in das Landesinnere zu unternehmen, die uns mit beeindruckenden Bambuswäldern oder hawaiianischen Wasserfällen entlohnen sollte. Hier konnten wir auch unseren ersten Sprung von einem kleinen Wasserfall in den daruntergelegenen lagunenartigen Pool genießen. Das ganze waren zwar nur drei bis vier Meter, aber dennoch ein erfrischender Spaß.

Für die eigene Road to Hana lasse ich folgende kleine Bildgalerie für sich selbst sprechen. Nur soviel, diese Tour ist für einen Maui-Erstbesucher zurecht Pflicht! Fallt auch nicht auf die Touristen-Proviantpakete in Paia rein. An der Road gibt es zahlreiche kleine Stände, an denen sich lokale Früchte, Snacks oder leckeres BBQ kaufen lässt.

Der Vorschlag, die Tour auf zwei Tage zu verteilen, ist im Übrigen nicht an den Haaren herbeigezogen. Wir haben eine etwas längere Wanderung, die am Ende der Road liegt, abgekoppelt und vertagt. Übrigens, ganz nebenbei, die Tierwelt ist auch ganz faszinierend. Obgleich sie sich auf Hühner und Spinnen zu beschränken scheint.

Abschließend ein kleiner Ratschlag. Viele Quellen behaupten, man müsse am Abend die gesamte Strecke des Tages zurückfahren, da sich der Straße hinter Hana nur eine nicht asphaltierte dirt road anschließt, welche nur von geländegängigen Autos befahren werden kann usw… Wir haben es mit unserem Midsize SUV ohne 4Rad-Antrieb ausprobiert und kommen zu folgender Erkenntnis: Es ist ein gut gemeinter Rat, aber er ist Humbug!

Jedoch muss diese Aussage relativiert werden. Macht man in Hana angekommen nicht kehrt und fährt dieselbe Straße zurück, welche man den gesamten Tag bereist hat, womit man sich zwangsläufig in einem Pulk von touristischen Fahrzeugen seinen Weg zurück nach Kahului erschleicht, so fährt man die Straße einfach weiter, immer an der Küste entlang und gelangt alsbald  zum Koki Beach, welcher nur 2,5 Meilen (keine 4 km) hinter dem Ort Hana liegt. Hat man diesen Punkt erreicht, steht man vor einer Entscheidung. Ab hier ist nämlich die Entfernung bis nach Kahului exakt gleich (ca. 50 Meilen), egal, ob man die Road to Hana zurückfährt, oder dem Straßenverlauf folgt. Folgt man der Straße weiter (was unsere Entscheidung war), so wird diese teilweise nicht schmaler, der Straßenbelag wird streckenweise deutlich schlechter und man findet sich teilweise auf besagten nicht asphaltierten Straßenabschnitten wieder. Wir sind diese Straße bei trockenem Wetter gefahren und sie stellte kein Problem, nichtmal eine Herausforderung, an unseren Fahrer dar. Wie sich die Situation entwickelt hätte, wenn eine durch Regenfälle überall auf Hawaii befürchtete Flash Flood eingesetzt und über die unbefestigte Straße gejagt wäre, kann ich an dieser Stelle nicht abschätzen. Gesunder Menschenverstand sollte hier also stets mitfahren. Ist dieser Streckenabschnitt jedoch geschafft (der übrigens extrem zeitfressend ist!) so findet man sich auf einer Straße wieder, die an dieser Stelle befremdlicher nicht wirken kann. Man befindet sich meilenweit im Nirgendwo und befährt eine „per-fek-te“ Straße, die, wie wir von einem Bekannten erfahren haben, eigens für Filmaufnahmen und Automobil-Werbung gebaut, ja, man möchte sagen „designed“ wurde. Aber darauf gehe ich in einem anderen post nochmal ein. Beim ersten Mal war es nämlich bereits stockdunkel und wir wollten nur nach Hause.


Größere Kartenansicht

Leider wurde unsere Frustrationsschwelle einer harten Probe unterzogen. Die Straße nähert sich nämlich in Luftlinie gerechnet bis auf etwa 5 km unserer Unterkunft an. Was uns nicht klar war ist, dass es keine Verbindung zwischen der von uns befahrenen Straße und dem Highway den Berg weiter unten in Kihei gibt! Somit mussten wir von diesem Ort (Luftlinie ca. 3,2 Meilen = ca. 5 km) weitere 36 Meilen (knapp 60 km) weit fahren, um endlich, endlich zu Hause anzukommen. Kurzum… es war spät zu diesem Zeitpunkt. So spät, dass wir nur noch durch Glück bei einem Mexikaner im Ort ein warmes Abendessen bekamen, denn uns nach dieser Tour noch selbst an den Grill zu stellen, darauf hatten wir wirklich keine Lust mehr.

Die Hawaiianer haben das Problem dieses Umweges aufgrund der nahe beieinander liegenden aber nicht verbunden Highways übrigens auch selbst erkannt. Es gibt sogar einen Beschluss, die beiden Highways zu verbinden. Aber hier läuft alles etwas entspannter ab und somit ist nicht absehbar, wann dies tatsächlich geschehen wird. Sie nennen es den „Aloha-Spirit“! Und den kann ich schon jetzt gut.

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