Gastown Laub

Gastown – Sie nennen es “Altstadt”

Es ist großartig, Locals zur Hand zu haben, die einem eine unbekannte Stadt nahebringen. Vollkommen unvorbereitet reisten wir nach Vancouver und das war das beste, was wir machen konnten. Martin und Juliane schaffen es, uns diese Stadt so zu präsentieren, dass wir auf jedem Fall im Sommer nochmals herkommen möchten. Dennoch… heute sind wir mal auf eigene Faust losgezogen. Nach dem Frühstück sind wir mit den frisch erworbenen Fahrkarten bewaffnet auf zur Bushaltestelle. Wir erinnern uns, dem Fahrer beim Einsteigen einen schönen Tag wünschen und beim verlassen des Busses bedanken. Gut! So ging es erstmal die Mainstreet runter, geradewegs Richtung Downtown. Ich wusste, der Bus fährt immer geradeaus und sobald er links abbiegt, müssen wir aussteigen. Das ist einfach. Also erstmal die Fahrt und die Fahrgäste beobachten.

Heavy Worker

Dann bog der Bus links ein und es hieß, aussteigen. Willkommen in einer anderen Welt, willkommen in der East Hastings Street. Diese Straße, oder genauer gesagt in etwa der Bereich zwischen Abbot Street und Dunlevy Avenue, ist die Heimat der Zombies. Drogenzombies, um genau zu sein. Hier spritzen sich auch mal am helllichten Tag die Junkies gegenseitig ihr Heroin in den Hals oder zwei mäßig ansehnliche Menschen haben einfach mal spontan Sex in der Back-Alley. Vermutlich, weil einer der beiden die Kohle für den nächsten Schuss zusammenbekommen muss. Zwei Dinge haben diese Menschen aber gemeinsam. Zum einen laufen sie die meiste Zeit wie Zombies durch die Gegend, die ihr Umfeld jedoch kaum wahrnehmen. Zum Anderen geht von Ihnen offenbar keine unmittelbare Gefahr aus. (All diese Einschätzungen basieren natürlich lediglich auf diversen überzeugenden Aussagen und Erlebnisberichten von aktuellen oder ehemaligen Anwohnern.) Eine sehr schöne Übersicht über die Wohngegenden Vancouvers, bzw. welche Art Menschen man dort jeweils findet, gibt es hier.

Unser Ziel war nachvollziehbarer Weise ein anderes. Chinatown, eines der größten historischen Chinatowns Nordamerikas. Nicht zuletzt dadurch, dass der Anteil der Bevölkerung mit asiatischen Wurzeln in Vancouver bei etwa 30% liegt. Letzteres bedingt, dass die zahlreichen Kräuterläden, chinesischen Apotheken oder Fleischer gar keinen Grund erkennen, die Produktbeschreibungen ihrer feilgebotenen Waren in anderen als chinesischen Schriftzeichen zu beschreiben. Die getrocknete Schlangenhaut und die auf Holz aufgespannten getrockneten Echsen habe ich erkannt. Bei diesen schwarzen Dingern, die wie getrocknete Riesenmaden aussehen, war ich mir dann schon nicht mehr sicher. Leider fiel bei dem Besuch kein Lebensmittelexperiment ab. Obgleich ich nach einzeln verpackten Produkten Ausschau gehalten habe, die mir einen Aufschluss über die Zubereitungs- oder Verzehrform gegeben hätten.

Echsen in Chinatown

#Von da aus ging es weiter in die Altstadt, namentlich Gastown. OK, kurze Schmunzelpause. Die Kanadier nennen es “Altstadt”, tatsächlich handelt es sich um einige wenige kurze Straßenzüge, an denen als erstes Häuser gebaut wurden. Dem britischen Siedler John „Gassy Jack“ Deighton ist es zu verdanken, dass an diesem Ort 1867 das erste Lokal gebaut wurde. Als dann auch noch eine Sägemühle hinzukam, war der Grundstein für das heutige Vancouver endgültig gelegt. Man lasse sich das nochmal auf der Zunge zergehen… Die Stadt Vancouver ist 1886 gegründet worden. Sie ist keine 130 Jahre alt!

Einen “ehrlichen Kaffee” später (darauf gehe ich in einem separaten post nochmal ein), trafen wir wieder mit Juliane und Martin zusammen, um nochmal ein wenig aus der Stadt rauszufahren. Ab zu den Spanish Banks, einer Reihe ziemlich großer Strände im Westen Vancouvers. Der Name bezieht sich auf die spanischen Entdecker, welche Ende des 18. Jahrhunderts im heutigen Vancouver anlandeten. Von den Spaniern blieb jedoch nicht viel, nachdem sie mit dem Verkauf des Landes an die Briten ein wenig übers Ohr gehauen wurden. Ich könnte mir vorstellen, die Spanier sind schamesrot abgezogen, nachdem sie kapierten, dass sie die Spanish Banks für nen Appel und nen Ei den Briten überlassen haben.

Unser unersättlicher Wissensdurst lockte uns anschließend noch zum MOA, Museum of Anthropology der Universität von British Columbia. Ein tolles Museum, fantastische Exponate und eine über 60minütige Führung von einem Mann, der sein Fach nicht nur versteht und liebt, sondern lebt! Es war toll, diesem Menschen bei seinen Geschichten über die Ureinwohner Kanadas und die Gepflogenheiten der unterschiedlichen Stämme und Clans in der Vancouver-Area zu lauschen. Das MOA ist ein Pflichtbesuch für den Vancouver

Der Abschluss des Tages war wieder kulinarischer Art und führte uns nochmals nach Gastown. NICHT in die Old Spaghetti Factory. Ich betone dies so sehr, weil es sich hierbei um die klassische Touristenfalle handelt. Es sieht ziemlich nett aus, die Preise sind fair, es ist immer gut besucht und offensiv wird schon auf der außen ausgehängten Karte mit “all inklusive” geworben. Also jedes Gericht inklusive Suppe, Salat, Brot, Eis zum Nachtisch, Softdrink obendruff… *bääm*, *bääm*, *bääääm*! Ist ja alles schön und gut, aber es schmeckt nach allem, nur nicht nach italienischem Essen. So die Aussagen und Warnungen von Einheimischen. Ich muss leider zugeben, dass der Laden dennoch so nett aussieht und die Preise so unschlagbar sind, dass ich ihn dennoch mal ausprobieren würde, wenn wir ein anderes Mal in Vancouver sein sollten. Aber sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Ein absoluter Ausprobier-Befehl ist allerdings das Etablissement, in dem wir am Ende waren. War ich vor wenigen Tagen noch der Überzeugung, den besten Burger der Welt gegessen zu haben, so vermute ich jetzt, dass ich das gestern Abend wirklich getan habe. Im Alibi Room in Gaston gibt es unschlagbar großartige Burger. Und ganz nebenbei einen Riesenkessel voll mit verschiedensten Biersorten, die zumeist aus lokalen Mikrobrauereien stammen.

Burger im Alibi Room

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