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The Wilderness

Die Stadt gegen pure Natur einzutauschen, ist in Vancouver nicht schwer. Diverse Naturparks liegen direkt vor der Haustür der ca. 600 000 Einwohner Stadt. Und da Kanada nicht nur ein Eishockey-Land ist, sondern auch das Land der weiten Wälder und Grizzlybären, mussten wir uns selbstverständlich auch diese Seite des Landes anschauen. Übrigens, Quizfrage: Woran erkennt man einen Grizzybären? Selbstverständlich an ihrer ausgestreckten Zunge, wie wir im MOA, Museum of Anthropology erfahren haben. Denn so stellten die Ureinwohner Kanadas diese Tiere dar. Doch zurück zur Wildnis.

Mit “Bangkok”, dem GMC safari von Juliane und Martin, ließen wir die Stadt hinter uns und ab ging es in bergige Gefilde voller herbstlich gefärbter Bäume – unser erstes Ziel dieses Tages war der Naturpark Lynn valley.

Der Lauf der Dinge

Zugegeben, von den echten Wanderprofis waren wir meilenweit entfernt. Diese streifen mit Rucksäcken und sogenannten Bärenglocken behangen im Stechschritt durch die Wälder. Angeblich singen sie auch während ihrer Wanderschaft. Dieser Gesang ist nicht etwa Ausdruck purer Lebensfreude, nein, vielmehr geht es darum, Bären die Chance zu geben, rechtzeitig das Weite zu suchen. Denn ein von Menschen überraschter Bär soll ein etwas unangenehmer Zeitgenosse sein.

Und wir, nun ja, wir hatten eben unsere Kameras und Turnschuhe dabei. Kein Gesang und keine Glocken. Und auch unsere Wanderung ähnelte eher einem Spaziergang. Doch genau mit diesem Vorgehen schlossen wir uns überraschenderweise der breiten Masse an. Denn trotz der wilden Natur war die Zivilisation immer ganz nah.

Woran das lag? Nun, zwischen den riesigen von Moos überwucherten Bäumen tauchen plötzlich Besucher auf, die nicht einmal auf den dritten Blick in die Landschaft passen: In Lacksandalen oder Flipflops stolperten hier überwiegend Touristen oder unvorbereitete Spaziergänger wie wir über die unebenen Wege. Begleitet wurden sie häufig von kleinen, in Tuch gehüllte Hündchen. Da diese Geschöpfe mehr für die Handtaschen hipper Großstadtdamen gemacht zu sein scheinen, wirkten sie hier irgendwie fehl am Platz. Diese Einschätzung findet auch in der Hündchen-Vermisstenanteige am Eingang des Parkes eine Bestätigung: Das vermisste Tierchen endete vermutlich als Snack eines hungrigen Bären oder Koyoten.

Unsere Tour durch den Park begann spektakulär und mit einem Schrecken für Menschen, die an Höhenangst leiden: Es galt, eine ca. 20 Meter lange wackelnde Hängebrücke zu überwinden. Tief unter uns schlängelte sich ein Fluss und trotz der vielen Touristen und Spaziergänger kam mir dieser Augenblick schon ganz schön wild vor.

Für die, die keine Höhenangst haben ein kleiner Tipp: Die capilano Suspension bridge ist noch länger, kostet allerdings Eintritt (um die $30)

Nach ca. zwei Stunden in dieser herbstlichen Wildnis ging es weiter zu unserem zweiten Stopp bei dieser wilden Tour: dem Lighthouse Park. Auch hier waren die üblichen Mini-Hunde die einzigen Tiere, die wir zu Gesicht bekamen. Weit beeindruckender als diese “Tierwelt” waren jedoch die großen Bäume. Stämme mit einem Durchmesser von zwei Metern und mehr waren keine Seltenheit. Sie hatten vermutlich schon vor der Gründung Vancouvers vor 127 Jahren an diesem Ort gestanden. Und natürlich gaben sich diese alten Riesen auch nicht mit Blättern in der üblichen Größe zufrieden.

Trotz der sehr zivilisationsnahen Spaziergänger ist die Natur vor Vancouver eben wilder als zunächst angenommen.

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